Jaime Begazo

Die Zeugen

Aus dem peruanischen Spanisch von Frank Henseleit, Kupido, 128 Seiten, € 18,80

Jaime Begazo begegnet in seinem prämierten Kurzroman „Die Zeugen“ dem Autor, den man seit Jahrzehnten für den Inbegriff der Literatur hält: Jorge Luis Borges. Eigentlich ein Sakrileg, macht er sich auf, die Erzählung „Emma Zunz“ aus Borges’ „Das Aleph“ neu zu schreiben. Begazo erzählt uns eine Begegnung mit dem gealterten Borges in Genf, wie Borges die üblichen Fragen an ihn pariert, bis er sein Alter Ego ein Detail aus „Emma Zunz“ ansprechen lässt, einer der kunstvollsten Parabeln der Literatur.

Begazo und sein Alter Ego erweisen sich als aufmerksame Leser par excellence und wir hören aus dem Munde des Meisters selbst, wie er seine Parabel aufschnürt und dafür noch einmal in seine Labyrinthe zurückkehren muss. Borges entfacht vor dem staunenden Zuhörer die Glut der wahren Erzählung, die unerhörte Geschichte dahinter, die nur einem Zweck dient: der Rehabilitation Emma Zunz’ – und seiner eigenen.

Ob Erzählung, Novelle, Kurzroman, Krimi, der Autor erteilt seinem Leser eine Lektion in Literatur, die des Meisters würdig ist. Jaime Begazo, 1957 in Lima, Peru, geboren und in Mamaroneck, NY, zuhause, erhielt für sein Debüt 2005 den Juan-March-Cencillo-Preis für Kurzromane.

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