Mein Privatbesitz

Mary Ruefle

Mary Ruefle
Mein Privatbesitz

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Esther Kinsky 

Suhrkamp Verlag, 127 Seiten, € 18,-

Eine junge Frau besucht zum ersten Mal in ihrem Leben ein klassisches Konzert und schläft mittendrin ein. Später bemerkt sie, dass es sich um Brahms »Wiegenlied« gehandelt hat – war sie vielleicht gar die einzige Person im Saal, die die Musik wirklich gehört hat? Eine ältere Frau sinniert über die ihrer Meinung nach zu Unrecht aufgegebene Praxis der Schrumpfköpfe – wie gerne würde sie zwölf Schrumpfköpfe ihrer Ahnen in einer Eierschachtel aufbewahren und sie gebührend erinnern. Eine Frau in den Wechseljahren dokumentiert die Unentrinnbarkeit des Verfalls beherzt in einem Weintagebuch, »Montag 3 Mal geweint / Dienstag kein Mal / Mittwoch 1 Mal, ein bisschen.«

In Mary Ruefles 41 Prosaminiaturen wird das Profane, werden Obsessionen, Sehnsüchte und widersprüchliche Neigungen zum Katalysator von Erkenntnis. Mit Lakonie, Humor und einer beneidenswerten Gabe des Hinsehens stellt Ruefle die genau richtigen Fragen an das Leben und erschließt en passant die Traurigkeit und Schönheit unseres alltäglichen Tuns.

Mary Ruefle, geboren 1952 in McKeesport, Pennsylvania, ist eine mehrfach prämierte US-amerikanische Lyrikerin und Essayistin. 2020 stand sie auf der Shortlist des Pulitzer Prize, ihr jüngster Lyrikband war nominiert für den National Book Award in Poetry. Ruefle hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Award in Literatur from the American Academy of Arts and Letters sowie ein Guggenheim Fellowship. „Mein Privatbesitz“ ist ihre erste Publikation auf Deutsch.

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