Gerade sagte ich
Gerade sagte ich
irgendwas
Lächerliches zu dir,
und deine Antwort
war ein herrliches Lachen.
Jetzt sind sie Tage,
in denen die Sonne
zurück nach Osten
schwimmt
und Licht auf dem Wasser
glitzert
wie vielleicht nie zuvor.
Ich kann mich nicht an
jeden Frühling erinnern,
ich kann mich nicht an
alles erinnern –
so viele Jahre!
Sind Morgenküsse
die sanftesten
oder jene am Abend
oder die dazwischen?
Ich weiß nur,
dass >>Danke<< irgendwo
dabei sein sollte.
Einfach nur für den Fall,
dass ich den perfekten Ort
nicht finden kann –
>>Danke, vielen Dank<<.

Gesammelte Gedichte
Aus dem amerikanischen Englisch von Jürgen Brôcan
Diogenes Verlag, 446 Seiten, 28,-€
Mit ihrem Hund streifte Mary Oliver durch die Landschaft New Englands und verfasste die wohl bekanntesten zeitgenössischen Gedichte über die zarten Erscheinungen der Natur. In ihren klaren, scheinbar schlichten Beschreibungen fühlen wir uns aufs Tiefste mit der physischen Welt verbunden.
›Sag mir, was hast du vor mit deinem wilden, kostbaren Leben‹ ist das von Oliver selbst zusammengestellte Best-of ihres Schaffens.
»Aufmerksam zu sein«, schrieb sie, »ist unsere unendliche und zweckmäßige Aufgabe.«
Mary Oliver, 1935 in Ohio geboren, zählt zu den meistgelesenen zeitgenössischen US-amerikanischen Dichterinnen. Zu Lebzeiten veröffentlichte sie mehr als 20 Gedichtbände, mit denen sie auf der ›New York Times‹-Bestsellerliste stand und zahlreiche Preise gewann, unter anderem den Pulitzer-Preis für ›American Primitive‹ und einen National Book Award für ›New and Selected Poems‹. Sie starb 2019 in Florida.
Gedicht: Seite 36-37
Empfohlen von Klaus Bittner