Eliot Weinberger

Vogelgeister

Egal, welchem Thema sich der US-amerikanische Autor Eliot Weinberger widmet, die Leser seiner Essays sind beglückt und erstaunt über seine »Wunderwerke« (Susanne Mayer in DIE ZEIT). Auf unvergleichlich poetische und elegante Art breitet er seine Berichte von fremden und vergangenen Kulturen vor uns aus und lässt uns die Welt durch seine Augen neu erfahren. Wer seine Texte kennt, weiß, dass Tiere dabei oft eine ganz besondere Rolle spielen, seien es Nacktmulle oder Hunde, Nashörner, Esel, Kamele oder Wildschweine. Und nun Vögel.

Vogelgeister ist vielleicht einer seiner betörendsten Essays, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Maori-Künstler Shane Cotton. Inspiriert von dessen düster-dramatischen Gemälden beschwört Weinberger die alten Namen neuseeländischer Vögel (viele von ihnen heute ausgestorben) und die Maori-Mythen, in denen sie fortleben. Formal einem Gedicht dabei näher als einem klassischen Essay, stellt dieser Text selbst eine Art Anrufung dar, eine elegische Feier der Schönheit der Schöpfung, der Sprache und der Kultur – und des menschlichen Geistes, in Einklang mit der Natur, wie er in unserer zivilisierten westlichen Welt selten geworden ist.

Als ich diesen Text das erste Mal gelesen habe, war ich so aufgewühlt und fasziniert, dass ich sofort Beatrice Faßbender angerufen habe, mit der Bitte, daraus ein Buch machen zu dürfen. Sie war begeistert, Eliot fand das klasse und here we are.

Eliot Weinberger, geboren 1949 in New York, ist Essayist und Übersetzer der Werke von Octavio Paz, Vicente Huidobro, Bei Dao und anderen. Für seine Edition der Selected Non Fictions von Jorge Luis Borges erhielt er den National Book Critics Award. 1992 wurde er für seinen Beitrag zur Förderung hispanischer Literatur in den USA zum ersten Preisträger des PEN/Kolovakos Awards ernannt. 2000 verlieh ihm die mexikanische Regierung als erstem Nordamerikaner überhaupt den höchsten mexikanischen Staatspreis, den Azteken-Adler. Auf Deutsch erschien 2003 der Essayband Kaskaden (Suhrkamp); in Lettre International, unter vielen anderen seiner Texte, 2005 das politische Prosapoem Was ich hörte vom Irak; im Berenberg Verlag die Essaysammlungen Das Wesentliche (2008) und Orangen! Erdnüsse! (2011).

Shane Cotton, geboren 1964 als Sohn eines Maori und einer Europäerin in Upper Hutt, Neuseeland. Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler seines Landes, seine Werke wurden in zahlreichen Galerien und Museen in Australien und Neuseeland, aber auch in Europa gezeigt. Für seine Verdienste um die Bildende Kunst wurde ihm 2012 der New Zealand Order of Merit verliehen.

Beatrice Faßbender, geboren 1972 in Reinbek, lebt als Lektorin, Redakteurin und Übersetzerin in Berlin. Für den Berenberg Verlag übersetzte sie Gedichtbände von Jeffrey Yang und Altaf Tyrewala; 2014 erschien die von ihr herausgegebene Anthologie New York. Eine literarische Einladung (Wagenbach)

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